Kurz vor dem Start des 30 KM-Laufes

Hier der taufrische und brühwarme Bericht von Holger....:

Winterstein 2008

 

Vor fünf Monaten habe ich gerechnet und überlegt, kann man von Null auf 42 kommen ohne sich und vor allem den gebrochenen Fuß zu überfordern. Kann mich noch recht gut an den Muskelkater nach dem ersten Lauf nach der Zwangspause erinnern. Seit Ende Oktober steigere ich mein Training langsam und kontinuierlich. Nun startete ich nicht wirklich bei Null, dennoch war ich im Zweifel ob das Vorhaben gelingen kann.

Vor vier Wochen der erste Test bei der „geschenkten“ Kreismeisterschaft über 10 km hat zwei Ergebnisse gebracht. Zum einen, ich kann wieder schnell laufen, zum anderen fehlt die Ausdauer. Auch der lange Trainingslauf am Wochenende danach bracht das Ergebnis. Vor zwei Wochen der Halbmarathon in Frankfurt lief gut. Das ich an das Ergebnis vom letzen Jahr herankomme glaubte ich nicht wirklich. Was die gute Endzeit nicht zeigt ist, dass ich ab Kilometer 15 gegen die Uhr und die müden Beine kämpfte.

Um so spanneder war das heutige Vorhaben. 30 Kilometer um den Winterstein. Frankfurt war ein – na ja, fast flacher Stadtlauf – der Winterstein der erst Bote des Taunus – und die Strecke nicht ganz so flach und 9 Kilometer länger. Anfang der Woche fühlte ich mich auch nicht ganz wohl – ohne das ich sagen könnte warum. War im Zweifel ob ich überhaupt laufen sollte. Die Testrunde am Freitag durch den Butzbacher Wald verlief gut. So stand fest, dass ich laufe. Renntaktik unklar. Nach Frankfurt war die Überlegung, wenn ich heute auch ab Kilometer 15 kämpfe, dann kämpfe ich nicht 6 sondern 15 Kilometer bis ins Ziel. Der Startschuss verdrängt diese Gedanken. Bis Okstadt ist der Weg sehr schmal und die Masse bremst. Hinter Okstadt reist das Feld beim Sturm über die Autobahnbrücke auseinander und ich kann mein Tempo laufen. Es läuft wirklich gut. Aber wir sind auch erst fünf von dreißig gelaufen. Hab mir aber angewöhnt in all den Jahren die Strecke schön zurechnen. Es sind fünf Kilometer von den ersten zehn Kilometer – sodern habe ich schon die Hälfte geschafft – von ersten Drittel – aber den letzten Gedankengang übergehe ich. Es riecht stark nach einem Deo. Mitten im Wald, bestimmt 15 Meter bis zum nächsten Läufer und es ist auch keine Frau in der Gruppe. Endlich bin ich an der Gruppe vorbei. Schön ist die Welt, die Sonne scheint – mir ist zu warm – die Vögel zwitschern - im noch kahlen Wald.

„Tee, Wasser“ ruft es von der zweiten Verpflegungsstelle. Bei dem Wetter hat das Wasser nicht nur Kohlensäure sondern auch 10°C. Mein Magen rät daher zum Tee. Der ist nicht nur – na ja – lauwarm sondern auch gut gezuckert. Nun kommt das schönste Stück er Strecke. Zwischen Kilometer 11 und 15 führt uns die Straße sanft ansteigend zum Militärgelände. Meine Uhr sagt mir zwar, dass ich langsamer unterwegs bin, aber nicht nur ich. So mache ich auf den 4 Kilometern noch ein paar Plätze gut. Bei Kilometer 15 bin ich ziemlich genau 1:15 unterwegs – mal zwei – Hmmm 2:30. Kann das sein? Die zweite Rechnung kommt zum selben Ergebnis. Prüfe den körperlichen Zustand. Alle O.K. Mein Schnitt liegt immer noch knapp unter 5min/km, und das schlimmste habe ich schon. Bis Kilometer 20 kann man nicht von einer flache Streck sprechen, aber ich kann mein Tempo halten. Ich überhohle noch zwei Frauen. Wenn ich mich nicht irre, die letzen bis zum Ziel.

Wo es hoch geht, geht es auch runter, so die alte Läuferweisheit. Ab Kilometer 21 – noch 9 Kilometer. Mir geht es gut- mir geht es super – vor zwei Wochen war ich froh bei der Marke im Ziel zu sein – heute könnte ich ewig so laufen. Das ganz bergauf ist eigentlich kein Problem bis auf das kurze Stück am Ende der Gefällestrecke. Ich glaube vor zwei Jahren habe ich die 500 Meter gewandert und nicht gelaufen. Heute reduziere ich das Tempo noch im Gefälle, recht ab und die 500 Meter wieder hoch. Die drei die mit mir ein Berg runter sind, sind weg. Die 500 Meter habe auch dies Jahr ihre Tribut gefordert. Wieder über die Autobahn. Noch vier und es geht mir gut. Noch drei, der M50 zieht noch mal an. Ich halte mit. Noch zwei. Noch eins, er legt noch einen drauf – da muss ich heute passen. Wir überholen noch eine Dreiergruppe – zwei lassen wir stehen, einer hält mit uns mit.

Geschafft unter 2:25 – wer hätte das gedacht. Und es geht mir immer noch gut. Keine neue Bestzeit, kein neuer persönlicher Streckenrekord. Einfach froh angekommen zu sein. Hoffe es läuft in drei Wochen genauso gut.

 

 

 

 

Gruß

 

Holger Liebmann