Two Oceans Marathon 2006

 

Schon zum 37. Mal fand dieser traditionsreiche Lauf über 56 KM in Kapstadt/Südafrika statt, und ich durfte nun schon zum zweiten Start nach 2004 antreten. Dieser Ultra-Marathon gilt in Südafrika als „Vorbereitungslauf“ für den noch älteren (den gibt es schon seit 1921 und ist der Größte der Welt mit teiweise weit über 10000 Läufer/innen, ja Waaaahnsinn, da muss ich auch noch mal hin) Comrades-Lauf über 90 KM von Durban nach Pietermaritzburg.

Aber auch hier in Capetown finden sich 2006 wieder 8000 Ultra-Läufer ein um eine große Runde auf der Kaphalbinsel zu drehen, eine für Europa und den Rest der Welt unvorstellbare Zahl.

Morgens um 6.00 Uhr werde ich wieder von Guy abgeholt, einem Läufer der Houtbay Harriers – das sind die mit den fantastischen rosa Höschen, und wir fahren gemeinsam mit anderen Ultraletten zum Start in der Nähe der Universität von Kapstadt. So stehe ich um 6.30 Uhr völlig ungestresst im Startblock C unverkennbar mit meinen rosa Höschen und einem schwarz-rot-gold gestreiften Shirt mit Lauftreff-Aufdruck und warte gespannt auf den Startschuss um 7.00 Uhr. Schon hier spürt man den „Spirit“ dieses unvergleichlichen Laufes. Musik wechselt sich mit Begrüßungen, Wettervorhersagen usw. ab. Die Läufer wünschen sich fröhlich a good race. Pünktlich werden wir dann losgeschickt, durch den auf eine Stunde verschobenen Start nicht mehr in kompletter Dunkelheit, sondern in der einsetzenden Dämmerung. Die ersten 15 KM führen auf einer breiten und fast schnurgeraden Straße in der sich die vielen Teilnehmer dennoch drängeln, Richtung False Bay. Hier in Kalk Bay läuft man bis Fish Hoek sozusagen am Indischen Ozean entlang, der sich irgendwo zwischen der Kap der guten Hoffnung und Cape Aghulas mit dem Atlantik vermischt.

Der blaue Himmel, die aufgehende Sonne und der Blick auf die weite Bucht verbinden sich zu einem wunderbaren Bild, der wie ein Traum wirkt. Ich bin wirklich dabei. Apropos Wetter: nach dem Regen von 2004, habe ich nun einen Supertag erwischt, keine Wolken und kaum Wind und mit später über 20 Grad sehr angenehm nach unserem langen Winter in Germany.

Wir überqueren die Halbmarathonmarke in Fish Hoek, hier verbrachte meine hier in Südafrika geborene Frau ihr erstes Lebensjahr, und haben schon 9 Verpflegungsstationen von insgesamt 33!! hinter uns: Also alle 2 Kilometer stehen jeweils Dutzende Helfer die lauthals ihre meist in praktischen Plastikbeutelchen verpackten Getränke anbieten (ähnlich wie Ketchuptütchen, die sich leicht aufbeißen und aussuckeln lassen). Jeder Kilometer wird von einem menschlichen Kilometerschild angesagt, alle Helfer und die meisten Läufer sind frohgelaunt und locker drauf. Gespräche entwickeln sich im Dutzend. Die Menschen hier sind einfach viel freundlicher drauf als in unserer Heimat.

Die Strecke führt weiter über Sun Valley zum wohl spektakulärsten Teilstück dieses Laufes, den Chapmans-Peak, eine etwa 9 KM superschöne Küstenstraße direkt oberhalb des kalten Atlantiks, dem Berg abgetrotzt. Hier erklimmen wir Läufer die ersten Höhenmeter um sie nach dem höchsten Punkt auf dem Weg nach Houtbay wieder zu verlieren. Hier stehen meine Familie und Sonjas Cousin um mich anzufeuern. Weiter geht’s zur Marathonmarke die ich bei 3:48 Stunden passiere. Ab hier geht es wieder leicht bergauf bis zum Constantia Nek. Die Wärme nimmt immer mehr zu aber die letzten Kilometerchen sind auch bald  geschafft. Der ellenlange Zieleinlauf auf dem Rugby Platz ist gigantisch. Vollbesetzte Tribünen und die persönliche Ansage des Sprechers „Thomas Harrtell aus Germany“ lassen mich ins Ziel schweben. Das besondere Flair dieses Laufes setzt sich im Zielbereich fort. Dutzende Pavillons und Zelte der verschiedenen Laufvereine setzen bunte Treffpunkte für die Finisher. Da ich etwas müde bin, und auch Sonjas Großcousinen dabei sind treten wir den Heimweg an.

 

I´ll be back to get my BLUE NUMBER (bekommt man bei 10 Starts beim Two Oceans)

 

Goooobaaaiii Capetown