38.Guts Muths-Rennsteiglauf
2010-Supermarathon 72,7km
Bericht von Rainer Groß
Schon vor ca. 30 Jahren nahm ich 3mal den lang Kanten unter
meine Füße. Zur damaligen Zeit(1978-1980) war er wie auch heute ein „Kultlauf“,
nur unter anderen Bedingungen. Damals in der aufstrebenden Laufbewegung der DDR
gab es so gut wie keine ausländischen Teilnehmer, aber etliche Spitzenläufer im
Langstreckenbereich waren unter den ca.2000 Läufern auch dabei. Heute ist es
ein Lauf im Superbereich der Teilnehmeranzahl von 14500 Sportlern auf
verschiedenen Strecken, aus 33 Ländern in unterschiedlichen Disziplinen
(Supermarathon, Marathon, Halbmarathon, Walking, Wandern) über 3Tage.
Von unserem Butzbacher Lauftreff waren Markus Lambrecht und
ich im Teilnehmerfeld des Supermarathons über 72,7 km. Leider konnten drei
andere Läufer aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Schade für sie!
2:30 Uhr fuhren wir am Lauftag von Butzbach nach Eisenach
dem Startort. 4:30 Uhr volle Lautstärke beim Rennsteiglied mitten auf dem
Marktplatz wo wir unsere Startnummern holten. In Butzbach wäre es wohl der
Aufreger des Jahres gewesen.
6:00 Uhr war Start, das Ziel in weiter Ferne in
Schmiedefeld. Dadurch, dass das Wetter in diesem Jahr die Vorbereitung nicht
begünstigte hatte ich meine Bedenken ob diese lange Distanz von mir zumeistern
ist. Mit 63 Jahren ist man ja nicht mehr der Jüngste und manchmal der Fitteste.
Probleme im Wirbelsäulenbereich und mit den Knien machten mir zu schaffen. Mit
der Rücknahme des Trainingspensums, Einreibung, Massage hab ich es noch bis zum
Starttag in den Griff bekommen.
Für solch eine Herausforderung ist aber auch das Wetter
wichtig. In den Tagen vor dem Lauf war Dauerregen, weniger als 5°C.Gibt es
viele Schlammpassagen? Hat es auf dem Rennsteig geschneit? Vor 4Monaten wäre
Pulverschnee ideal gewesen für das Training.
Am Start dies: 2°C auf dem Gebirgskamm, trocken von Oben,
aufgeweichter Untergrund, wenig Wind, Nebel aber zum Glück kein Schnee, zu erwartende
Temperaturen von4°-7°C.
Markus entschied sich mutig in kurzer Hose zu laufen, ich blieb bei Lang. Aber
natürlich hatten wir über dem langen Shirt unser „ RUN-PINK-RUN “
Es sollte wieder zum Gesprächsstoff werden.
Kommentare wie: “Mutig
für Harte Männer“, “Geil mal was Anderes - nicht diese Einheitsshirts“, “Toll“.
Dies machte mich einwenig Stolz da ich auch besser auszumachen war für Evy,
Fotografen sowie Läufer die auch schon am Weinstraßenmarathon teilnahmen. Habt
ihr Butzbacher den“ glückselig machenden Weinmarathon“ gut überstanden?, es muss
wohl eine Verwechslung gewesen sein. Joe Kelbel von“ Marathon4You“ hatte wieder
mal einen guten Spruch drauf. Diesmal schockte ich ihn mit der Frage bzw. Feststellung
das er diesmal mindestens 2 kg zu viel unter dem Shirt trägt und es ganz schön
spannt. Es machte halt auch hier Spaß mit den Läufern auf der Strecke. Außerdem
war der Knastmarathon in Darmstadt in der letzten Woche bis hin zum 100 km-Lauf
von Biel!!!, Thema.
Jetzt noch mal zum Erlebten auf der Strecke.
Am Anfang (Start bei 210mNN) ging die Strecke bis zum Inselsberg
(916mNN) fast nur bergauf. Markus verabschiedete sich, jeder sollte sein
eigenes Tempo laufen. Mein Anfangstempo beim 18.km von2:03 Std. fand ich gut,
es lief auch so. Am Heuberghaus(30.km) war Evy an der Strecke um uns Beistand
zuleisten.
Markus war auf einmal hinter mir und klopfte mir auf die
Schulter. Ich sah sofort hier stimmt was nicht. Er erzählte das er
Magenprobleme hätte (sprich Dünnpfiff).Ich dachte bloß gut dass hier am
Rennsteig jede Menge kleiner Fichtenbestand wächst und wir nicht auf dem
Boulevard in Frankfurt laufen. Nach etlichen gemeinsamen Kilometern und „Vita
Cola“ als Testgetränk war er nicht mehr aufzuhalten. Ich konnte ihm noch mit
meinen Tempos aushelfen und weiter ging’s bei ihm. Ein paar Blatt hätte ich
behalten sollen, Schei…, dumm gelaufen.
Die Vegetation hier oben auf dem Kamm gab auch nicht soviel
her, der Winter war ja gerade mal vorbei. Es brannte gut am Ar…! Jedenfalls war
Markus bis zum Ziel nicht mehr zu sehen.
Ich bekam langsam nach 56km bei Oberhof muskuläre Probleme
aber es ging weiter bergan auf den höchsten Punkt der Rennsteigstrecke (Krackselstrecke)
auf den“ Großen Beerberg bei Plänckers Aussicht in973mNN. Ab jetzt ging ich
noch mehr. Etliche Läufer zogen an mir vorbei. Andere Läufer hatten aber auch
ihre Probleme und waren in meinem Tempo unterwegs. (8:00 min/km im Schnitt für
die gesamte Strecke).
Ich glaube mittlerweile hatte jeder Renner im Innern mit
sich zu kämpfen. Es gab für mich kein Aufgeben mehr, das „Ziel“ vor den Augen. Trotz
Muskelproblemen, lächelnd an den unzähligen Zuschauern vorbei die mit aufmunternden
Worten und Beifall nicht sparten, ein älterer Herr Überraschte mit
Trompetenspiel. Nicht das Lied vom „Feieromd“ sondern das legendäre“
Rennsteiglied“ klang durch den Nebel. Wahrscheinlich spielte er es an diesem
Tag100 mal.
Der Zieleinlauf in Schmiedefeld war ein Genuss und es kam
mir gar nicht so schlimm vor. Ich hatte weniger Probleme als gedacht, da ich
besonnen an die Distanz ging die Natur genießen konnte, einfach Freude am
Laufen hatte.
Der Supermarathon am Rennsteig im Thüringer Wald über 72,7 km
war geschafft und ich glücklich.
Die Platzierung war für mich nicht so wichtig, ich wollte
nach 30 Jahren Pause noch mal dabei sein.
„Gut runz“ und allen Läufern
viel Spaß und Erfolg in dieser Saison
Rainer.