Elbe-Landschaft pur!
Vor drei Jahren war ich das erste Mal mit Familie in Dresden und habe dabei auch die Festung Königstein besichtigt. Von dort sah man eine beeindruckende Landschaft, durch welche sich die Elbe ruhig dahin windet. So war mir klar, irgendwann muss ich den Oberelbe-Marathon von Königstein nach Dresden laufen. Und dieses Jahr am 29. April sollte es soweit sein.
Am Freitag nach der Schule fuhr ich mit Familie Richtung Dresden. Ganz schön Verkehr auf der Autobahn, dazu diese Hitze in diesem April und bei mir waren seit Mittwoch etwas die Bronchien geschädigt durch die Klimaanlage in der Firma. Nehme schon 3-mal täglich Tropfen um den trockenen Husten zu mildern und die Bronchien zu befreien. Man, wenn dann der Wetterbericht nicht recht hat und es am Sonntag so heiß bleibt und die Bronchien nicht richtig frei werden, dann sehe ich ganz schön alt aus. Ab die Hoffnung stirbt erst mit dem Startschuss. Spät abends kommen wir dann in Königstein bei unserer Ferienwohnung an.
Am Samstag fahren wir mit der Bahn von Königstein nach Dresden um die Startunterlagen im WTC Dresden zu holen. Einen eigenen Chip braucht man hier nicht, man bekommt einen Transponder mit Klettband für den Fuß umsonst gestellt. Immer noch 28 Grad, aber die Lungen werden besser.
Am Sonntag um 7.15 Uhr stehe ich auf, öffne das Fenster. Juhu, kleiner Regenschauer in der Nacht hat die Luft von Pollen und Staub gereinigt, der Himmel ist komplett bedeckt und die Temperaturen sehr angenehm zum Laufen. Nur der Wind hat zugelegt. Nach dem Frühstück nehme ich meine Tasche und die Familie, fahre zum Startplatz und gebe erstere beim Gepäck-LKW ab. Ziemlich frisch hier an der Elbe, aber ich fühle mich gut. Um 9.30 Uhr soll der Start sein, um ca. 9.25 Uhr gibt der Veranstalter bekannt, die Startzeit wird nach Absprache mit der Bahn um neun Minuten verschoben. Damit hatte ich gerechnet. Mir war ja bekannt, zwischen KM 5 und 7 kommen zwei Bahnübergänge und der Start wird so ausgerichtet, dass die schnellen Läufer mit Gewinnambitionen ungehindert durchlaufen können.
Ich stelle mich zum 4.15 Std.-Zugläufer. Um 9.39 Uhr dann der Startschuss, Ballons steigen auf und die „Stadt Wehlen“, der gecharterte Begleitdampfer, lässt sein Horn lautstark erschallen und dabei ganz schön Dampf ab. Gehe mein Tempo locker an. Im ersten 5-KM Stück eine Zeit von ca. 28.30 Min. Und kurz nach KM 5 die geschlossene Schranke. Kollektives Warten durch höhere Gewalt (Die Bahn) von einigen hundert Laufwilligen. Und ich wünschte mir hier die erste Verpflegungsstation. Schon leicht geschwitzt versuche ich mich so zu stellen, dass mich der kräftige, kühle Wind von der Seite erwischt und nicht wieder an meinen Bronchien kratzt. Die Schranken gehen nach dreieinhalb bis vier Minuten hoch und die ganze Horde setzt sich in Bewegung. Wir kommen nach gut einem weiteren KM nach Rathen und dort gibt es die erste VS. Leider muss man hier etwas warten bis die Becher gefüllt sind, der Ansturm der angestauten Massen war wohl zu viel (dies war allerdings auch die einzige VS mit Versorgungsschwierigkeiten und alle VS wurden ca. 100m vorher angekündigt.). Und man sieht von der VS die zweite geschlossene Schranke. Allerdings sind die Sachsen doch recht findig. Ab geht’s durch den Bahnhof mit Unterführung, allerdings auf Grund der Massen braucht man doch ca. 1 Minute dazu, dafür hat man dann auch einen Treppenlauf inklusive. Sehen wir’s positiv. Marathonlaufen mit Abwechslung. Von der Zeit her zeigt dies auch der zweite 5-KM-Teil: 33.44 Minuten. Bis KM 30 halte ich dann die 5-KM Abschnitte zwischen 29.10 Minuten und 29.59 Minuten.
Dann geht es weiter auf dem für Fahrräder offiziell gesperrten Radweg entlang der Elbe bzw. der DB (man hat bis ca. KM 18 beide, danach nur noch Elbe). Naja, jeder Radler hält sich nicht dran, aber die meisten sind sehr rücksichtsvoll und warten am Rand. Bei den weiteren VS kommen dann außer Wasser und Tee noch Apfelstücke und Bananen dazu, ab KM 20 ISO-Getränke und –Riegel, später dann noch Dresdner Backspezialitäten. Ich habe mich auf Grund meiner Magenerfahrungen an Wasser und Tee und Obst gehalten.
Ab KM 12 fängt die Sonne an sich zu zeigen und bis ca. KM 15 ist der Himmel blau. Jetzt kommt die Frage: Wird es heiß oder bleiben die Temperaturen bei ca. 19 Grad wie im Wetterbericht angekündigt? Glück gehabt, die Temperaturen halten und wenn der Wind dann doch öfter kräftig von vorne kommt sucht man auch mal die Sonne. Zwischen KM 17 und 20 laufen wir eine Stadtschleife durch Pirna mit Cheerleader und dem ersten größeren Stimmungsnest. Zuviel Stimmung darf man entlang der Strecke nicht erwarten, ist ja schließlich ein Landschaftslauf, allerdings einige Trommelgruppen und tanzende Mädels sieht man schon und die Spaziergänger und die Sachsen in ihren Gärten bzw. in Biergärten applaudieren schon höflich. Und von den Biergärten gibt es viele entlang der Elbe. Das ist dann wieder Kopfsache, sich nicht einfach in einen Biergarten zu setzen und ein Bierchen trinken. Aber dagegen habe ich schon vorgesorgt: ich hab ja kein Geld dabei.
Aber es wird mir nicht langweilig. Man hat immer LäuferInnen vor, hinter und neben sich. Bei KM 28 sieht man auf der anderen Flußseite Schloß Pillnitz. Und dann kommen noch mehrere Schlösser und alte Villen entlang der Strecke. Ab ca. KM 32 merke ich dann, wie meine Beine leerer werden. Nun ja, mein erstes Ziel habe ich erreicht und bis gut KM 30 gleichmäßiges Tempo gelaufen. Und jetzt kommt der Teil zwischen gehen und laufen. Einige hundert Meter gehen, dann wieder 2-4 KM laufen. So ist dann der siebte 5-KM-Abschnitt auch schon bei 33.54 Minuten und der letzte wird sich auf 37.14 Minuten belaufen. Aber das ist mir egal. Hier ist es einfach schön an der Elbe, das Wetter so wie ich es wollte und außer etwas leeren Beinen fehlt mir nichts. Unter dem „Blauen Wunder“, der bekannten Elbebrücke, wartet dann wieder mal eine Trommel- und eine Mädchen-Tanzgruppe bei einer VS. KM 35 habe ich da gerade hinter mir. Also, nach Essen und Trinken weitere 3 KM laufen, denn bei gut KM 38 wird die nächste VS kommen. Allerdings muss ich ca. zweihundert Meter vor der KM 38-VS wieder gehen, ein leichtes Ziehen in der linken Nierengegend zwingt mit dazu. An der VS frage ich nach dem dort angebotenen Spezialgetränk: „Ist das Bier alkoholfrei?“ Die Frau hinter der Theke schaut mich milde lächelnd an und meint in schönstem Sächsisch: „Neee, nadürlisch nisch!“ Au Mist, dann doch Cola und Wasser und weiter geht’s. Das Ziehen in der Nierengegend ist weg.
Ab ca. KM 40 dann ein toller Anblick: Die Frauenkirche, die Hofkirche und die Semperoper auf einmal. Von der Zeit her könnte, falls ich mit Laufen durchhalten kann, noch eine neue, um vielleicht knapp 1 Minute verbesserte PB drin sein. Jetzt zwischen Elbe und Semperoper weiter, die letzten paar hundert Meter. Ich biege ums Eck Richtung Heinz-Steyer-Stadion. Und dort steht meine Familie und feuert mich noch mal an. Ich laufe ins Stadion und dort muss man fast noch eine Runde drehen. Aber das kann ich nicht mehr. Ich gehe durchs Ziel. Und die Uhr stoppt bei 4.27.56 Std. (Nettozeit). Und damit um genau 1 Minute über meiner PB von Mainz 2005. War nichts mit neuer PB. Das war dann wohl höhere Gewalt (DB).
Jetzt lege ich mich auf den Rasen. Ah tut das gut. Und bitte Lydia mir ein alkfreies Erdinger zu holen. Und was ist: Selbst dafür war ich zu langsam. Das ist gerade aus. Nichts mehr da. Naja, Lydia holt mir dafür ein Radeberger Radler. Und Fabius mit dem Gutschein die Nudeln mit Soße und dann meine Tasche. Hier gibt es nämlich vorher keine Nudelparty, dafür nach dem Lauf einen Plastikteller voll Nudeln. Schmeckt beides lecker. Und der Himmel ist blau und die Sonne scheint und ich weiß, irgendwann laufe ich hier noch mal. Und nur wegen der Landschaft.
Noch eine kleine Kuriosität am Rande: Einer der schnellen Polen hatte angekündigt, den Streckenrekord zu knacken. Allerdings war er für die Anreise nicht schnell genug und hatte es zum Start nach Königstein nicht mehr geschafft. So stieg er einfach in Pirna aus, stellte sich mit der Marathon-Startnummer beim HM auf, gewann diesen in 1.13 Std. und sorgte beim Einlaufen im Stadion für Verwirrung. Die Veranstalter wussten davon nämlich nichts und schauten auf Grund seiner Laufzeit ziemlich ungläubig auf die Uhr. Hat sich dann zwar schnell aufgeklärt und er wurde auch von Veranstalters Gnaden für den HM gewertet (hätte eigentlich disqualifiziert werden müssen). Aber man sieht: hier gibt es einige Überraschungen.
Matthias Engel