Die Jagd nach der 3...
...begann im Grunde schon auf den
letzten Metern beim Ironman im Juli. Um einer drohenden
After-Race-Depression zu entgehen, beschließe ich keine wirkliche
Regenerationsphase einzulegen. Stattdessen bestelle ich bei
Deutschlands härtestem Laufer-Quäler Peter Greif einen Trainingsplan
für eine Marathonzeit um 3 Stunden. Und dieser Peter ist wirklich ein
ganz fieser Joggertreiber. 2 x in der Woche Tempotraining vom feinsten,
Sonntags ein 35 KM-Lauf mit Endbeschleunigung auf Marathontempo und
auch das schöne 6-7 Minuten per Kilometer Schlapptempo an den übrigen
Tagen hat ein Ende....und dafür zahl ich auch noch Geld...wie blöd kann
man wohl sein...;-))) .
In Berlin beim ChampionsRun dann der
erste Test über 10 KM. Knapp über 39 Minuten bei Hitze und Warterei
vorm Start ließ sich schon gut an und nur ein paar Sekunden über meiner
Bestzeit aus 2004.
Also weiter nach Plan immer schön machen was
Peter sagt. Die Spannung steigt ebenso wie der Umfang und die
Intensität. Langsam wird es Abends schon dunkel und der MitLauf steht
mit einiger Arbeit vor der Tür. Uff...
Beim 5er Nidda-Firmenlauf
am 10. September knapp über 19 Minuten gelaufen, in die Top Ten
geschafft....langsam glaube ich fest an Peterchens Sadospielchen
Am
Samstag drauf dann der 30er in Garbenteich: Perfekter Tag, perfektes
Rennen mit neuer Bestzeit, knapp über 2:07 und Gesamtelfter...ich glaub
ich heb bald ab...fühl mich fit wie nie zuvor.
2 Wochen später
dann der 6-Stundenlauf in Rotenburg. In Pits Plan sucht man sowas
nätürlich vergebens...aber wenn Spaß macht...und außerdem darf ich ja
machen was ich will...bin ja schon groß.....ääätschibätsch Du
SpassGreifer ;-) Der 2. Platz und knapp 70 KM machen viel Spaß und
lassen die Vernunft schwinden.
...das Rennwochenende: für eine
perfekte Akklimatisierung reisen wir schon am Freitag nach München.
Eine schöne, einfache Wohnung in Schwabing bietet uns ein schönes
Zuhause.
Am Samstag Morgen fahren wir zum Olympiapark und holen
meine Startunterlagen in der Event Arena ab. Auf der Marathonmesse dann
Panthers feuchter Traum: Pinke Kompressionsstrümpfe in meiner Größe.
Dazu noch die passenden, ebenso engen Laufhosen von CEP...leider nur in
Schwarz.
Abends noch lecker Nudeln essen in Münchens teurer Innenstadt und danach früh ins Bett.
Nach
unruhiger Nacht, schön Duschen und aufs Töppfchen, dann noch ein
Nougatstückchen gefrühstückt. Eingeengt in meine wunderbar engen Sachen
und darüber warm angezogen fahren wir wieder mit dem Radl zum
Olypiastadion. Das Wetter, Gestern noch verregnet, Heute bayrisch
WeissBlauWunderbar. Wir treffen auch Susanne FG die in Minga ihren
ersten Marathon laufen will (und natürlich auch packt).
...und
schon gehts zum Start etwas entfernt vom Stadion. Nochma schnell Pipi,
dann such ich den passenden Luftballon mit der 3 und den zwei
Nullen...und finde sogar 2 grosse Blaue mit daran hängenden Zugläufern.
Dann
der Start...und ich bin aufgeregt wie lang nicht mehr...aber es geht
natürlich flott los, gemeinsam mit einer Riesengruppe die auch gerne am
Ende eine 2 vorne stehen haben wollen. Ab jetzt zählt nur noch
dranbleiben, atmen, nicht stolpern, immer den Luftballon im Blick.
Schnell
sind die ersten 5 KM vorbeigeflogen, knapp unter 21 Minuten, etwas zu
schnell für den notwendigen 4:15er Schnitt, aber egal.
Die
Pacemaker brauchen anscheinend kein Wasser oder anderes Flüssiges,
rennen die Zwei an den VP´s doch einfach vorbei. Schwierig ist da das
Trinken, Verschlucken, wieder an die Gruppe ranlaufen und in den Tritt
finden.
Die Kilometer fliegen an mir vorbei, rein in den
Englischen Garten und schon wieder draussen. Keine Gedanken ausser
Sekunden und Kilometer und schon Halbmarathonmarke. 1:29 glatt. Ächz.
Weiter laufen, Tempo hält. Die nächsten KM bis 30 fallen schwer. Hier
nur knapp über der Bestzeit in 2:07:16. Alles voll im Plan auch bei KM
35 läuft noch locker auf unter 3 Stunden.
Doch an der
Wasserstelle verliere ich ein paar Meter auf die Gruppe, kann aber den
Anschluss halten. Knackpunkt KM 37. Zwar nur noch 5 KM aber das Limit
ist erreicht, die 3 mit dem Ballon entschwindet langsam aber sicher
meinem Blickfeld. Fange an zu rechnen. Bestzeit ist klar. Unter 3:10
auch kein Problem. KM 40: versuche immer wieder das Tempo zu forcieren,
geht aber nix mehr. Die Vorfreude auf den Zieleinlauf wächst jedoch
immens. Unter 3:05 ist noch drinne. Discotunnel und ab auf die
Stadionrunde...die Tränen schießen....geilgeilgeil...die Schinderei und
das Sekundenzählen hat sich gelohnt. Die Uhr bleibt bei 3:04:37 stehen.
Bestzeit um 10 Minuten unterboten......aaaaaaaahhhhhhhhh
Medaille und endlich in Ruhe trinken, trinken, trinken.
Schleichende
Schritte, eine Treppe vor mir, muß der K2 sein, ich rufe nach Reinhold
Messner oder nach einer Rolltreppe...aber alle müssen hier hoch...kein
Blick zurück...Familie umarmen, Klamotten holen, ich friere...war doch
windig hier unten.
Ich denke nur kurz an Peter: Danke du Sau !!!
Fazit:
Das Training ist recht hart nur um näher an die 3 Stunden ran zu
kommen, bis KM 38 hat die Kraft gereicht...bleibt zum Glück noch das
Ziel in den nächsten Jahren für die magischen 2:59:59....
München
verliert gegen Frankfurt in Punkto Stimmung und Zuschauer um etliche
Dutzend Prozente, Strecke ist sehr schön, teilweise windanfällig...aber
es iss halt Oktober. Die Verpflegung im Ziel nur Durchschnitt, Orga OK,
vielleicht zu viele eingekaufte Helfer ohne Engagement und Ahnung.
Strecke ist Bestzeitenfähig ;-)))
Thomas Härtel, 13. Oktober 2009