4. Karstadt-Marathon am 13.05.2007
Halbmarathon durch den „Pott“ von Dortmund nach Herne
Letztes Jahr im Dezember hatte ich mich für den Halbmarathon von Dortmund nach
Herne angemeldet und nun war es endlich soweit, dass ich meine alte Heimat per pedes durchlaufen werde.
Der Karstadt Marathon ist bisher der einzige Marathon, der zweigleisig startet. Es gibt einen Start von Oberhausen nach Essen (HM: Gladbeck)und einen Start von Dortmund nach Essen (HM: Herne). Das letzte Stück, der „come together point“ (ca. KM 28), wird von Gelsenkirchen aus gemeinsam in Richtung Messe-Essen gelaufen. Dies ist für den „Pott“ ein Mega-Event. Die Laufstrecke ist – egal von welchem Startpunkt – nicht für Bestzeiten geeignet, da es teilweise „wellig“ ist, aber net so schlimm!!!
Am letzten Klassentreffen hat mich Ulli, ein begeisterter Läufer, auf den Geschmack gebracht hier auch mal an den Start zu gehen. Allein schon wegen der tollen Stimmung, vor allen Dingen im Zielbereich in Herne. Also, warum nicht hier mal an den Start gehen, wenn man dies gleichzeitig mit einem Besuch bei Muttern (und das zum Muttertag!) verbinden kann.
Am Samstag sind Harald und ich nachmittags in Essen an der Grugahalle angekommen, in der die Marathonmesse des Karstadt-Marathons stattfindet und Startunterlagen abgeholt werden können. (Es hätte auch die Gelegenheit bestanden, sich die Unterlagen am Zielort (für mich in Herne) ab 6.00 Uhr morgens abzuholen. Ein Marathon ohne Messebesuch ist irgendwie unvorstellbar – finde ich -. Man schaut ja doch gerne mal, was es so Neues gibt. (Fast wie einkaufen bei Ikea…Schnick-Schnack findet man immer).
Hier bekommt der Veranstalter von uns beiden einen kleinen Minuspunkt. Harald musste als Begleitperson für die Messe 2,50 € Eintritt zahlen, ansonsten beträgt der Messeeintritt 5,00 €. Bzw. man sieht jetzt mal, zu welchen Mitteln gegriffen werden muss, dass so ein Mega-Event stattfinden kann. (Ist ja irgendwie verständlich,
oder?)
Bevor wir uns die verschiedenen Aussteller der Messe angeschaut haben, wollte ich zuerst meine Startunterlagen abholen. Um diesen Bereich betreten zu dürfen, sind wir von der Security genauer „gecheckt“ worden. Dies hat uns schon ein wenig verwundert. (Wenn man bedenkt wie locker das in Frankfurt abgewickelt wird, zumal auch Nichtläufer ohne weiteres die Messe – ohne Eintrittsgeld – besuchen können.)
Auf der Messe fanden wir den Stand „Jagaball“ mit den peppigen Farben, der uns in Frankfurt schon aufgefallen war. Hier habe ich mir sogleich ein hellgelbes Laufhemd gekauft – Pink trägt ja schon der 1. Vorsitzende –.
Ansonsten gab es noch einen interessanten Stand, der Event-Boxen anbietet. Dies ist ein boxenähnlicher Bilderrahmen, in dem Urkunde und Medaille eines Marathonlaufes mit anderen Utensilien aufbewahrt und aufgehängt werden können. Eine witzige Idee, wie ich finde. (Könnte man auch selber herstellen.) Hier für Interessierte die Internetadresse: www.sport-eventbox.com.
Die Berlinerin vom Stand Jagaball, der Stand präsentierte sich zum ersten Mal hier auf der Messe, war von der Anordnung der einzelnen Messestände nicht so begeistert: Die Verkaufstände waren zu weitläufig. Da müssen Harald und ich ihr zustimmen. Es war auch, für Samstagnachmittag, fast nichts los auf der Messe. (In Frankfurt schieben sich zu dieser Tageszeit die Massen durch die Gänge.) Ist die Frage, ob es an dem Lokalderby (Dortmund – Schalke) und (Bochum – Stuttgart) gelegen hat oder an dem Messeeintrittspreis für Nichtstarter.
Am Sonntag begab ich mich gegen 7.30 Uhr zum Shuttlepunkt, von wo wir Läufer mit dem Bus nach Dortmund-Bövinghausen zum Startpunkt gefahren wurden. Der Bus benötigte gerade mal 15 Minuten, somit war ich eigentlich für den Startschuss um 9.00 Uhr viel zu früh. Also hatte ich noch über 1 Stunde Zeit. (Eigentlich zu viel Zeit) Das Wetter war morgens noch frisch und die Sonne lugte nur manchmal durch die Wolken. Vor dem Start wurden den Läufern „Umhängefolien“ ausgehändigt. Da ich nur mein Laufshirt anhatte und kurze Hose, nahm ich gleich zwei Wäremfolien. Zum Zeitfüllen begab ich mich erst einmal zu einem Dixiclo, vor dem sich schon eine Scharr Läufer eingefunden hatte. Die Wartezeit bis zum Start verging dann doch relativ schnell. Wer wollte konnte sich dem Aufwärmprogramm anschließen: Arme schütteln, Hopsen usw.
Die Stimmung in Dortmund war klasse! Natürlich waren die Dortmunder noch in Hochstimmung nach dem gestrigen Sieg des Derbies gegen FC Schalke 04! (Wenige Buhrufe kamen von Schalke-Anhängern) Den einen oder anderen BVB-Fan hat man dann auch später auf der Laufstrecke gesehen. Mein Sohn Malte wäre begeistert gewesen, dessen Herz seit seinem 4. Lebensjahr für den BVB schlägt. (hat er es mit der Muttermilch aufgenommen oder war es, weil Oma einen BVB-Becher mitgebracht hatte?). Der Moderator meinte noch, dass die Strecke durch Gelsenkirchen-Schalke gesperrt sei, da dort Trauerflor hängen würde. (Wie dem späteren Fernsehbericht zu entnehmen war, wurden BVB-Fan-Läufer genauso in Gelsenkirchen angefeuert und begrüßt, wie alle anderen auch. (In Gelsenkirchen führt die Laufstrecke u.a. an der Schalke-Arena vorbei.)
In Dortmund gingen ca. 11.000 Läufer auf die Strecke, davon ca. 7.500 Halbmarathonis. In der Läuferscharr befanden sich auch einige Walker, die manchmal schon die Strecke „behinderten“. Teilweise wusste man nicht, ist es ein Walker oder kann der/diejenige nicht mehr richtig laufen? Zum Glück starteten die „Stöckchenläufer“ – Tschuldigung: Nordic-Walker ganz zum Schluss.
Bevor der Startschuss fiel, wurden alle Mütter von den männlichen Läufern zum Muttertag beklatscht.
Diesen Halbmarathon wollte ich mal richtig genießen, also im lockeren Tempo laufen (zumal mein letzter Marathon erst 3 Wochen her ist) mit Blick auf den Puls und nicht auf die Zwischenzeit! Ich hatte mich mit diesem Tempo eher im hinteren Feld eingeschätzt, aber ich lief von Anfang an in der Masse mit, die auch im hinteren Feld nicht ablassen wollte. Bei diesem Lauf (vorrangig Halbmarathon) geht es den Meisten wohl eher um das gemeinsame Laufevent, also um den Spaßfaktor und nicht unbedingt um die beste Zeit. Ich sah viele größere Laufgruppen auf der Strecke. (Dies bestätigt die Ergebnisliste, denn mit 3:15 h sind die Letzten – scharenweise!!! - ins Ziel.)
Dem Motto: „Eine Region in Bewegung“ ist diese Laufveranstaltung samt Zuschauern gerecht geworden. Es ist wahnsinnig, wie viele Zuschauer am Rande der Strecke die Läufer anfeuerten. (Da können sich die Rheinländer – hier meine ich die Bonner – eine dicke Scheibe von abschneiden!) Im Ruhrgebiet läuft man von einer Stadt in die Nächste und das macht das Ganze aus. Kaum hatten wir Dortmund verlassen und die Bochumer Stadtgrenze erreicht, säumten weiterhin viele Zuschauer den Streckenrand. Es gab nur wenige Streckenabschnitte, an denen es etwas ruhiger war. Herne hat mich als Ehemalige total begeistert. Der Zieleinlauf auf der Bahnhofstraße (Shopping-Mal von Herne) ist unbeschreiblich!!!
Nach 2:08:40 habe ich die Ziellinie erreicht und eine schöne originelle Medaille (in Y-Form) überreicht bekommen. Für Harald, als Fotograf am Zieleinlauf in Herne wartend, war ich zu schnell. Wir hatten vereinbart, dass ich 2:20 Std. laufen würde, aber die Zuschauer an der Strecke haben mich so beflügelt – obwohl ich schon die Handbremse gezogen habe -, so dass ich dann doch schneller war. Dadurch hat Harald mich auf der Laufstrecke bzw. Zielgeraden mit seiner Kamera nicht erwischen können. (Es gibt nur Standfotos.)
Einen bitteren Beigeschmack hat dieser Lauf leider hinterlassen: Der Veranstalter hat zwei Tote zu vermelden. Ein Inlineskater ist in Gladbeck bei Km 11 zusammengebrochen. Ein Läufer ist in Gelsenkirchen auf der Strecke kollabiert und konnte nicht mehr gerettet werden. - Dies lag aber nicht am Wetter, denn es war um die 20° und teilweise bewölkt. Ab der Mittagszeit regnete es teilweise. Also gute Wettkampfbedingungen. - In Herne habe ich miterleben müssen, wie ein Läufer reanimiert wurde. (Dieses Bild geht mir noch nicht aus den Kopf.) - Laut Nachrichten konnte dieser Läufer wiederbelebt werden. -
Das zeigt, dass man diesen Sport nicht zu verbissen betreiben sollte!!! Wir wissen Gott sei Dank alle, wann genug ist. Es gibt auch noch ein Leben nach dem Laufen!!!
Fazit:
Der Shuttleservice zum Startpunkt ist stressfrei organisiert. Die Strecke ist schön – man sieht viel vom typischen Ruhrgebiet -, die Verpflegung ebenso prima. Ab Km 5 alle 2,5 Km: Wasser, Banane, (ab Km 10 gibt es Basica, welches ich noch nicht kannte, aber prima schmeckt.)
Die Stimmung (mal wieder den Ruhrpott-Slang in den Ohren zu haben) hat es mir dermaßen angetan, dass ich nicht das letzte Mal im „Pott“ gelaufen bin. Es reizt mich auch, den kompletten Marathon von Dortmund bis Essen zu laufen. (Meine Mutter freuts.)
Dann habe ich noch folgende Vision: Malte (15 J.)läuft als 30-Jähriger im BVB-Fan-Shirt mit mir den Halbmarathon von Dortmund bis Herne.:)))
Träumen ist doch etwas Schönes, oder?
Euch auch weiterhin viel Spaß beim Laufen!
Gruß, Doris - 19. Mai 2007 -