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 … probier‘s mal mit Gemütlichkeit …!

So ähnlich könnte man meinen Schnellentschluss, den Baden-Marathon in Karlsruhe zu laufen, bezeichnen. Und nicht anders kann ich den ohne große Vorbereitung bewältigen.

Am 28.8.2011, bei der Firmung unseres Jüngsten, wurde ich von Michaela, der Frau des Firmpaten, angefixt: „Wolldeschtdu net a mol den Maradon in Karlschruhe laufe? Der isch in drei Woche.“ Puhh, gerade eine Woche vorher hab ich ja erst so richtig mit dem Marathon-Training für Frankfurt angefangen. Aber in Beobachtung hatte ich den schon seit einigen Jahren. Da hat Michaela vollkommen recht, den wollte ich schon lange mal laufen. Zwei Tage überlegt, dann hab ich bei den Christls angerufen: „Also gut, Lydia hat das WE frei, ich laufe.“ Muss ich halt dann mit 5 Std.-plus laufen. Und LSG (Laufen/Stehen/Gehen).

Gut, Unterkunft geregelt, jetzt in die Anmeldung. Siehe da, die Voranmeldung hat schon am 28.8.2011 geschlossen. Mist! Oder doch nicht: Die Nachmeldung am Vorwettkampftag kostet grad mal nen Euro mehr. Ha, das ist ja noch besser. Wenn kurzfristig was dazwischen kommt, ist das Startgeld wenigstens nicht futsch.

Am Samstag, 17.9., machen wir uns dann auf ins Ländle. Auf dem Weg zu den Freunden fahren wir dann mal kurz neben raus, zur Europahalle Karlsruhe, meine Anmeldung tätigen, während draußen die Kinderläufe stattfinden. Geht schnell und problemlos. Noch ein paar Sachen gekauft, die man so braucht ;-), bei einer Wohltätigkeitstombola mitgemacht und jeder für nen Euro am Rad gedreht, dabei hab ich ein Buch gewonnen, „Frauen – geborene Marathonläuferinnen“. Und Lydia gewinnt ein Lauf-Shirt. Ähhh, hier stimmt was nicht, warum lauf ich eigentlich und nicht Lydia?

Dann in Etzenrot bei den Christls angekommen, wird mir gleich mal die Handy-Nr. von Renate gegeben. Michaela hat für mich eine Mit- oder Hinterherfahrgelegenheit mit zwei Freundinnen von ihr ausgemacht, damit ich so früh am Morgen nicht verzweifelt nach nem Parkplatz suchen muss. Super Organisation. Wir würden uns an einem Park-and-Ride-Platz treffen. Da Lydia und die Christls am Sonntag was anderes vorhaben und nicht mit zum Lauf kommen, ist das ideal.

Und die Nacht fängt es an zu regen. Wie aus Eimern. Oh je, vielleicht steig ich dann doch bei dem Halben aus. Mal sehen. Renate läuft den HM und Christina will ihren ersten Marathon laufen. Da ich aufgrund des Wetters unentschlossen bin, will ich mich flexibel halten und fahre den beiden Damen hinterher anstatt mit ihnen.

Auf dem Weg in den Startbereich stellt sich heraus, dasChristina ungefähr einen Schnitt von 7.30 min. laufen will.Was gut über 5 Std. bedeutet. Sie plant mit ca. 5.40 Std. Auf meine Frage, ob ich sie denn begleiten dürfte, sagt sie, sie hätte ja nichts dagegen, aber ich wäre ja viel schneller. Entgegne nur, das hab ich aufgrund fehlenden Training nichtschneller geplant habe. Also gut, aber ab KM 37 kommt ihr Bruder als Marathon-Engel dazu. Eine Besonderheit hat hier nämlich Karlsruhe: Man kann sich einen/mehrere Marathon-Engel für die letzten 5 KM anmelden, die den Läufer/in dann ins Ziel begleiten dürfen. Die haben auch eine Start-Nummer, die sie als Engel ausweist. Und viele, auch Christinas Bruder, verkleiden sich auch als solche. Ich entgegne nur, nen Engel kann ich auch machen, schließlich wäre das ja mein Name. Und dann guck sie mich nur groß an und meint zu Renate:Gugge amolisch hob en eschten Engel!

Renate macht sich dann weiter nach vorne, sie möchte gerne eine neue PB auf den HM laufen. Und wir warten auf den Startschuss. Peng, es geht los. Endlich lerne ich mal Karlsruhe kennen.

Mit GPS-Uhr ausgerüstet, gebe ich Christina immer wieder mal die aktuelle und die Gesamt-Durchschnittszeit weiter, damit sie entscheidet, schneller oder Tempo raus. Nach ein paar KM merkt sie, dass es zumindest schon dadurch eine gute Entscheidung war, zusammen zu laufen. So können wir sehr konstant laufen, ohne dass Christina überzieht. Und uns dabei auch noch recht gut unterhalten. So wird der Lauf sehr kurzweilig. Ich werde am Ende feststellen, das es, obwohl mein zeitlich längster nicht mein gefühlt längster Marathon wird.

Jedenfalls laufen wir sehr konstant, nur ab- und zu von ein paar „technischen Stopps“ und von kleinen Gehereien bei der Getränke- und Nahrungsaufnahme unterbrochen, durch den abwechslungsreichen Baden-Marathon. Christinas Mann hat sich an verschiedenen Stellen positioniert, um ihr neue Getränke für unterwegs zu reichen. Und dann kommen wir an Christinas Firma vorbei. Die ja ihrem Mann gehört: Unglaublich, ne Druckerei. Frage gleich mal nach, ob die nicht nen Schriftsetzer gebrauchen können. Nee, war aber auch nicht zu erwarten. Christina steckt bei der nächsten Gelegenheit ihrem Männle, dass hier ein „echter“ Engel sie begleitet, der auch noch Schriftsetzer ist. Da verschlägt‘s dem Mann glatt die Sprache. Erst beim nächsten Treffen gibt er wieder Worte von sich.

So kommen wir dann so langsam zur Halbzeit und in die 2. Runde, welche aber nicht identisch ist mit der 1. Runde. Und da es pünktlich zum Start ja aufgehört hat zu regnen, die Wetterbedingungen ideal sind, lass ich Christina natürlich nicht im Stich, sondern laufe weiter. Und auch hier ist es gut, dass wir zwei zusammen gelaufen sind. Denn die meisten haben doch nur einen HM gemacht, außerdem sind wir mit unserem Schnitt mit bei den Langsamsten, so dass es jetzt doch recht einsam wird auf der Strecke. Die Stimmungsnester in Form von Tanz- und Musikgruppen haben allerdings einesehr große Ausdauer. Aber aufgrund des nicht ganz so Zuschauer-freundlichen Wetters, ist leider an vielen Stellen nichts los. Dafür hat der Lauf von der Strecke her alles zu bieten. Man merkt oft gar nicht, dass es ein Stadtkurs ist, er geht durch Parks und Wälder genauso wie durch die Straßen, so das man von allem etwas hat. Und das macht den Lauf auch richtig schön. Vor allem die Kulisse von und rund um das Schloss und durch den Schlosspark ist schön. Da sind wir allerdings schon mitten in den 30er Km drinnen und laufen immer noch konstant.

Kurz nach KM 37 kommt dann Christinas Marathon-Engel-Bruder aus der Engele-Flugstartzone zu uns geflogen. Und der Engel-Bruder macht dann noch mal richtig Stimmung, Spaß und gute Laune, kümmert sich auch zwischen drinnen mal kurz um andere Läufer/innen, die wir noch überholen: Er hat einen Verpflegungsbeutel dabei, mit leckerenKöstlichkeiten. Und so laufen wir dann ins Stadion ein und auf Wunsch von Christina halten wir uns, sie in natürlich in der Mitte, an den Händen und reißen beim Zieleinlauf dieÄrme hoch. Und der Bruder-Engel packt dann aus seinem Täschchen ne Flasche Sekt aus. Na denn Prost, auf die Erst-Marathoni. Und mit 5.12.18 Std. (ca. 7.11er-Schnitt) war sie auch noch deutlich schneller als geplant. Dabei sind wir eigentlich alles durchgelaufen. Für mich war es jedenfalls ein perfekter Trainingslauf. Christina und ich waren beide froh, dass wir zusammen gelaufen sind. Und wer weiß, vielleicht starte ich nächstes Jahr wieder als Marathon-Engel: Michaela möchte nämlich auch gerne mal nen Marathon laufen.Schau’mer a mol!!!

Es grüßt euch der Marathon-Frosch-Engel


Lauftreff Butzbach  |  thomas@lauftreff-butzbach