Meine Erlebnisse bei
den Hessischen Halbmarathon-Meisterschaften in Griesheim am 30.Mai
Ein Laufbericht von
Bodo Heil
Als ich von unserem Butzbacher Lauftreff-Vereinsvorsitzenden
Thomas Härtel den DLV-Meldebogen für die Hessischen Halbmarathonmeisterschaften
im Rahmen des 39.Griesheimer Merck-Straßenlaufs unterschreiben ließ, kam ich
mir leicht größenwahnsinnig vor. Hatte ich zuvor doch in der Starterliste den
Marathonhessenmeister meiner Altersklasse M70 vom Frankfurt-Marathon 2009,
Helmut Scholz aus Wettenberg, ausgemacht, der dort in (auch für junge Leute !) sagenhafter
Zeit von 03:30:14 Stunden siegte, dagegen ich mit meiner schlappen Zeit von
lediglich 05:19:33 Stunden regelrecht siechte. Auch der M70 Vize-Marathonmeister
Arthur Hahn (Jahrgang 1930, daher eigentlich M 75 !) vom TG Großalmerode lief
damals in Frankfurt mit einem Vorsprung von 70 Minuten vor mir auf dem roten
Teppich in der Frankfurter Festhalle ein. Ich wusste aber, dass er inzwischen
80 Jahre alt geworden war und nunmehr in Griesheim in die Altersklasse M 80
verbannt werden würde. Nun konnten mir eigentlich nur noch, nach Meldeliste, die beiden „jungen Spunde“ vom Spiridon Frankfurt und TV Königstädten (beide Jahrgang 1940) und
natürlich der Marathonsieger vom LG Wettenberg (Jahrg. 1939) und zwei andere den
Platz auf dem Siegertreppchen streitig machen.
Offensichtlich hatten diese in der Laufszene grau gewordenen
Männer sich aber mehrheitlich von den warnenden Wetterprognosen abschrecken
lassen, während ich den Wetterbericht in einem Anfall jugendlichen Leichtsinns
einfach ignorierte. Um punkt zehn Uhr ging es in Griesheim bei Sonnenschein an
den Start. Die zahlreichen leicht bekleideten jungen Cheerleader am Startplatz hatten den Wetterbericht
offensichtlich auch nicht beachtet. Mir war die Rennstrecke auf der Landstraße zwischen
Griesheim und Pfundstadt, die dreimal zu durchlaufen war, als flach, schnell
und bestenlistenwürdig beschrieben worden, wo auch im April die 2011 die
Deutschen Halbmarathonmeisterschaften stattfinden würden. Ich nahm mir also
vor, auf dieser Idealstrecke meinen dritten Halbmarathon im Leben wenigstens in
persönlicher Bestzeit zu laufen. Wie viele, die noch nicht lange in der
Läuferszene mitmischen, lief ich zu schnell los. Schon nach ca. zwei Kilometern
überholte mich daher auch der nunmehr achtzigjährige Vizemarathonmeister M 70
vom Frankfurt-Marathon, Arthur Hahn, vom TG Großalmerode (der im Herbst in
Frankfurt nicht bei M 75, sondern bei M 70 mitlief !). Ich hängte mich an ihn
an, musste ihn aber schließlich ziehen lassen und hätte mich am liebsten vor
Frust seitwärts in die reifen Erdbeerfelder verdrückt.
In der zweiten Runde setzte der angekündigte heftige
Starkregen mit Gegenwind ein und es wurde still, weil mit den Zuschauern auch
die Trommlerbands und klatschnassen Cheerleader verschwanden. Meine Laufschuhe
liefen voll Wasser und ich war bald triefend nass. Ich dachte aber an das
Lauftreff-Event beim Dorflauf in Eberstadt von vor zwei Jahren, wo bei großer
Hitze die Dorffeuerwehr mit Wasserfontänen für freiwillige Abkühlung sorgte und
war auch an die großen Wasserpfützen vom äußerst schlecht gepflegten „Häuser
Pfädchen“ im Butzbacher Stadtwald her gewöhnt und dachte nicht ans Aufgeben.
Erst hinterher erfuhr ich, dass von 1456 gemeldeten Athleten/innen nur 1198 das
Ziel erreichten oder aufgrund der Wetterprognosen erst gar nicht angetreten
waren.
In der dritten Runde wurden die Läufer wieder von der Sonne
verwöhnt und nach dem „Lauf durch die Wetterzonen“, wie die Zeitung „Darmstädter
Echo“ schrieb, erreichte ich mit Sonne über dem Kopf und Wasser in den Schuhen in meiner persönlichen Bestzeit von 2:08:42
Stunden das Ziel und wurde somit diesjähriger hessischer Vize-Halbmarathonmeister
der Altersklasse M70. Mit dem 25 jährigen Studenten Marcel Groß vom sehr stark
vertretenen LG Wettenberg war ebenfalls ein Außenseiter erfolgreich. Dieser bewältigte
die Laufstrecke von 21,1 km unter den erschwerten Bedingungen in 1:10:08
Stunden und wurde Halbmarathon-Hessenmeister, während der Vorjahresmeister Jörn
Harland das Rennen im großen Regen vorzeitig aufgeben musste. Im Läuferfeld
befand sich auch ein Barfußläufer, der sich als Einziger nicht über nasse
Socken ärgern musste.