Frankfurt Marathon 2008 – Erfahrungen einer „Rennschnecke“
Ist es wirklich schon ein ganzes Jahr her, seit ich nach meinem Marathondebüt zurück „nach Butzbach schwebte“... Ich kann‘s nicht fassen.
Letztes Jahr lief alles so optimal, dass ich ein wenig Bammel hatte, ob das nochmal zu schaffen ist. Aber warum nicht, das Training lief nach Plan, dass heißt, ich habe diesmal eine Kombination der Pläne von „Stalingrad Greif“ und „Vanilletee Steffny“ ausprobiert (Zitate von Achim Achilles – müsst Ihr gelesen haben...). Bin gespannt, was dabei herauskommt.
Dann plötzlich vorletzte Woche Donnerstag: Kratzen im Hals – Mist, Erkältung im Anmarsch. Vielleicht habe ich ja Glück, es sind noch 10 Tage Zeit. Nach einer Woche immer noch Skepsis...kann ich am Sonntag starten? Ich höre von allen Seiten „Martina, Du wirst doch wohl so nicht laufen“ – Scherzkekse.... soll der ganze Trainingsaufwand wirklich umsonst gewesen sein? Meine trotzige Antwort: „Am Sonntag bin ich fit, es sind ja noch 3 Tage.“ Man muss nur an sich glauben.... und ein wenig Glück haben.... und Knuts Hühnersuppe schlürfen....
Die letzten Tage sind, was das Essen betrifft, genial. Du kannst so viel essen, wie Du willst – ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Dann noch die leckeren Nudeln am Samstag im Stern – Mainhattan, ich komme.
Samstagabend: Ich bin noch kein bisschen aufgeregt, komisch...
Sonntagmorgen: Bin immer noch nicht aufgeregt – ist das normal???
Am Start reihe ich mich ganz weit vorne ein – Tipp eines Kollegen „Dann hast Du nicht so viele vor Dir und kannst besser laufen – aber nicht zu weit vorne, da fällst Du als Blondine unter den Schwarzen dann doch auf......“. Gesagt, getan.
Dann der Startschuss – immer noch nicht aufgeregt – komisch, hoffentlich habe ich genug Adrenalin im Blut, um durchzuhalten...
Für Nachmittag ist Regen angesagt – na toll, wo ich doch der geborene Regenläufer bin (da kann Silke ein Lied von singen – Gruß nach Beratzhausen). „Dann musst Du eben etwas schneller laufen“, dieser mit Sicherheit gut gemeinte Rat wird wohl nicht viel helfen.... Der Geist ist willig.... aber die Beine sind schwach....
Der Wettergott meint es bestimmt gut mit uns. Ich komme gut ins Rennen, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam – es läuft... An den Getränkestationen immer schön warmen Tee trinken und etwas essen – hilft zumindest der Psyche. Das Adrenalin steigt jetzt doch, die Stimmung reißt Dich einfach mit.
Die Zeit vergeht im Fluge. Ich kann den 3-4 Minuten Zeitvorsprung zu den Zwischenzeiten auf meinem Asics-Armband lange halten – wer weiß, die kann ich vielleicht noch gebrauchen....
Irgendwann holt mich der 3:59 Zugläufer mit einer Welle von Läufern ein – Mist, ich hatte erst später mit ihm gerechnet. Leider ist das Tempo zu schnell um mitzulaufen, oder doch nicht?...Nein, Tini, bleib in Deinem Rhythmus, es läuft gut. Gänsehautfeeling bei jeder Trommlergruppe, einfach klasse.
Dann bei km 31 ein leichter Krampf im linken Fuß – geht schon, einfach weiterlaufen. Nach ein paar Sekunden ist er wieder weg. So geht das ein paarmal – schnell noch ein Gel an der nächsten Getränkestation. Bei km 35 hat mich dann der Mann mit dem Hammer doch erwischt – Wadenkrampf. Ich muss kurz stehenbleiben, kann aber nach 10 Sekunden weiterlaufen, Gott sei Dank „net so schlimm“... Bei km 38 das gleich Spiel nochmal – so, jetzt reiße Dich zusammen, einfach nicht daran denken – „Ich bin ganz locker“ (für was autogenes Training alles gut sein kann...) Tatsächlich, es hilft. Ich komme zwar nicht mehr unter einen 6er Schnitt, aber ich laufe – jetzt nur durchhalten, die 4:15 sind noch zu schaffen. Gut, dass ich mir vorher das Polster von 3-4 Minuten rausgelaufen hatte.
Bei km 39 sehe ich aus den Augenwinkeln ein kleines Kind geradewegs von links auf mich zulaufen und höre mich nur noch rufen „Bleib stehen“ – ich wäre dazu nicht mehr fähig gewesen. Puh, gerade noch mal gutgegangen. Jetzt ist das Adrenalin aber wirklich ganz oben...
Dann der letzte Kilometer – jetzt einfach nur noch Augen zu und durch. Die lange Gerade Richtung Festhalle will einfach kein Ende nehmen.... Dann endlich links rum, jetzt nochmal alles geben. Ich sehe nur noch das große Eingangstor vor mir – Blick auf die Uhr – ja, ich schaffe es unter 4:15 – einfach nur loslassen und über die Ziellinie – Adrenalin pur – alle, die es selbst einmal erlebt haben, wissen, was ich meine. Einfach genial.
Ich fühle mich erstaunlich fit. Aber dann, die berüchtigte Treppe im Zielbereich taucht plötzlich vor mir auf. Die vergisst Du Dein ganzes Leben nicht – Man sollte wirklich mal über eine Rutsche oder einen Treppenlift nachdenken.... Irgendwann ist auch diese geschafft. Hier könnte man die schönsten Videos für clipfish drehen.... Medaille, Rose, Autogramm auf der großen Pinwand, Plastikumhang – Nudelsüppchen, ich komme.
Dann endlich bekannte Gesichter – Umarmung, Freude, Glück pur.....
.....Nächstes Jahr fällt die“4“
Eure Rennschnecke Martina
Butzbach, im Oktober 2008