Vor lauter Frust über meine verletzungsbedingte Absage des „Weiltalweg Marathons“, den ich sehr gerne gelaufen wäre, habe ich mich für den Lauf im „Dorf“ an der „Düssel“ entschieden. Den ca. 10.000 Sportlern (Mini-Marathon-Läufern, Einradfahrern, Handbikern, Inline-Skatern und Läufern) wurde eine attraktive Laufstrecke mit viel Sicht zum Rhein sowie ein großartiges Publikum am Streckenrand geboten. Der sportliche Ritterschlag für Düsseldorf: Der Metro Group Marathon war ein Qualifikationslauf für die Europameisterschaften im August in Göteborg. Bei den Männern waren 2h14min und bei den Frauen 2h33min zu unterbieten. Ich will vorwegnehmen, die Siegerin Luminita Zaituc (GER) benötigte: 2:34:53h, der Sieger Julius Kiptum (KEN) war bei 2:15:56h im Ziel.

Aber nun nach der Reihe: Am Samstag habe ich mich in Düsseldorf nachgemeldet. Alles verlief sehr zügig und freundlich. Danach noch ein kurzer Spaziergang über die Marathon-Messe. Die „etwas“ kleiner ausfällt, als die des Ffm-Marathons. Übernachtet habe ich bei meiner Verwandschaft in Essen.

Da ich schon relativ früh am Startort war, konnte ich in Ruhe meinen Kleidersack abgeben, „Entsorgung betreiben“ und abseits der hektischen Aufbaubetriebsamkeit einen tollen Ausblick auf „Vater Rhein“ genießen. Die Sonne brannte schon recht heftig und ein zugiger Wind zog durch die Straßen. Es sollte ein heißer und windiger Tag werden.

Ich hatte mich mit weiteren Läufern, u.a. auch einer Gruppe der „Air-Berlin“, um einen Mann gestellt, der einen roten Luftballon an sein Hemd genadelt hatte. 3:30 stand drauf. Das war die Zeit, die ich gerne laufen wollte. Später habe ich von ihm erfahren, dass er mit seinen 65 Jahren schon 55 Marathons gelaufen ist. Den meisten Leuten auf der Strecke war er auch bekannt, sie kannten seinem Vornamen und riefen ihn Jochen.

Pünktlich um 09:30h wurde das Läuferfeld auf die Strecke geschickt. Jochen fast immer vorneweg und in Fürsorge um seine „3:30er“. Der „Planet brannte“ schon sehr heftig. Und es wehte eine ziemlich „steife Brise“, vermutlich vom Rhein her. Ab und an wechselten wir die Straßenseiten, um im Schatten der Bäume zu laufen. Schon an der ersten Verpflegungsstation, habe ich angefangen reichlich zu trinken. Man(n) sollte bei Aufnahme der Becher nur nicht direkt am Tisch stehen bleiben, sondern sich etwas abseits stellen, sonst wird man(n)/Frau einfach umgerannt oder man hört: „....das ist ein Lauf und keine Stehparty...“ oder „...Becher gibt es auch weiter vorne...“ usw.

Um auch einen „kühlen Kopf“ zu bewahren, habe ich meine Kappe in die Wannen am Ende der Station getaucht. Mein Tipp: lieber kurz stehen bleiben, die Becher austrinken, als laufend nur ein Bruchteil des Wassers aufzunehmen. Diejenigen, die weiterlaufen holt man locker wieder ein und man selbst ist bestens gewässert.

Ich glaube es war bei Kilometer 23, die Gespräche wurden schon weniger, die Arme gingen auch nicht mehr so oft zur „Welle“ hoch und Jochen, oh Schreck, hat den Schwamm benutzt um seine Wade zu kühlen. Sollte sich da was ankündigen. Der Luftballon flog Jochen lustig hinterher. Ich war ein Stück vor Jochen als plötzlich dieser platzte. Ob die Hitze daran schuld war oder das Kind, dass vom Straßenrand rief: “Papa, Papa ein roter Luftballon....“ Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle war nun die Orientierung zum Pacemaker schwieriger geworden. Wenn da nicht die „Air-Berliner“ gewesen wären. Sie liefen in ihren leuchtend roten Shirts um Jochen herum. Meine Eyecatcher. Euch vielen Dank dafür!

Maybe sieht man sich mal auf einem „Shuttle-Flug“ wieder.

Für reichlich Stimmung über die gesamte Strecke sorgten so genannte Kilometerpaten: zahlreiche Vereine, Unternehmen und weitere private Initiativen, die sich fürs leibliche Wohl und für die Unterhaltung an der 42,195 Kilometer langen Partymeile engagierten. Dieses Engagement war wirklich vorbildlich. Gerade an den kritischen Kilometermarken brodelte es förmlich. Die vielen gut gelaunten Zuschauer standen z.B. auf der Düsseldorfer „Prachtstraße“ Königsallee so dicht beieinander, dass man nur zu zweit durch die Gasse laufen konnte. Eingebettet in die vielen Zuschauer waren u.a. sieben Samba-Bands, die für den richtigen Rhythmus sorgten. So kamen die Teilnehmer und Zuschauer gleichermaßen auf ihre Kosten

Irgendwie hatte ich um Kilometer 30 den Eindruck, dass Jochen und die anderen nicht mehr so recht mochten..... So fing ich an mir vorzustellen, dass ich eigentlich nur noch eine Runde meiner Lieblingslaufstrecke: Tennisplätze – Forsthaus – Ebersgöns – Tennisplätze zu laufen habe, ohne den Berg am Schießplatz.. Und die Strecke laufe ich wirklich sehr gerne. Nachdem ich so meinen Kopf offenbar erfolgreich ausgetrickst hatte, sendete dieser Signale an meine Beine: Keine Krämpfe bei Kilometer 32 und 38! (...wie bei den vorherigen Läufen erlebt). Es hat funktioniert! Und ganz besonders hat es mich gefreut, dass ich diesmal im Ziel auch keine freundlichen Sanitäter bemühen musste, die mich damals zuerst in die Horizontale brachten, um mich danach an einen „Flacon“, gefüllt mit Kochsalzlösung anzustöpseln.

Im Gegensatz zu den bisherigen Trainingsläufen/Wettkämpfen bei kühlen Temperaturen, war es für mich mein erster Lauf bei strahlendem Sonnenschein, sehr guter Stimmung und Organisation.

An dieser Stelle nochmals besonderen Dank an meinen Ex-Kollegen (...habe ich später erfahren) Jochen, der uns „3:30er“ mit etwas unter fünf Minuten pro Kilometer gut geführt hat. So einen Brems-/Zugläufer kann ich nur empfehlen, auch wenn man nur mit ihm anläuft, um ein Gefühl für das gewünschte Tempo zu bekommen.

Neben den vielen positiven Eindrücken, die ich auf der Strecke gewonnen habe, bin ich auch wieder um einige „Lauf-Erfahrungen“ reicher geworden......z.B. auch, dass man am nächsten Tag treppab auch rückwärts laufen kann...darf....muß...;-)

Liebe Grüsse

Bernd Reich

10.05.06