Warm, wärmer , Bonames
oder
Das Salz in meinen Augen
Es ist mal weiter Zeit für eine kleines Rennen und fahre so nach Bonames – Ortsteil von Frankfurt. Die letzten Tage wurde es immer wärmer, aber seit gestern kam auch noch eine drückende Schwüle hinzu. Das und eine Streckenlänge von 15 km sind die besten Vorraussetzungen für einen Trainingslauf als Vorbereitung auf einen Marathon in August. Beides ist wohl ein wenig verrückt.
In Bonames ist die Turnhalle, in der die Anmeldung sein soll schnell gefunden. Ein Herr mit Warnweste lässt mich in eine Seitenstraße einbiegen. Schnell wird diese immer enger und am Ende steht eine grüne Wand aus Bäumen. Ich kann mir noch einen der letzten Parkplätzen sichern, wie die anderen, die mutig hinter mir eingebogen sind, wieder heraus kommen, schaue ich mir lieber nicht an. Angemeldet bin ich auch flott. Toll ist, man kann schon an der Anmeldung, gegen ein kleines Entgelt, eine Medaille bekommen. Mir stellt sich die Frage für was? Für die Anmeldung? Bei diesem Wetter?
Es ist noch Zeit, so suche ich den Start. Raus zur Straße. Das Schild „Schülerlauf“ ignorieren alle Läufer. Die scheinen mehr zu wissen wie ich. Ein Hinweisschild „Start 15 und 10km“ findet sich in der nächsten Querstraße. Auf einen schmalen Feldweg, neben einer U-Bahn-Linie ist die Startlinie markiert. Bei der Masse an Läufern die jetzt schon hier ist kann ich mir gar nicht vorstellen das dies ein guter Startpunkt ist. Ein Vorturner nutzt die Wartezeit bis zum Start um die Masse zu Dehnübungen anzuleiten.
Ich trabe lieber ein Stück auf der Strecke entlang. Wird verdammt eng. Auf dem Boden finde ich eine eins. Nachher findet die bestimmt keiner, denke ich, und mache kehrt. Schon auf dem Rückweg läuft mir der Schweiß in die Augen. Als Erkenntnis aus der Streckenbesichtigung sortiere ich mich relativ weit vorne ein und stecke die Bille ein. Neben mir steht ein Medaillenträger
‚Jetzt schleppt er das Ding auch noch mit. Wer’s braucht.’
Los geht’s, auf der langen Geraden sortiert sich das Feld. Schnell habe ich ein paar langsamere Läufer überholt und kann fast schon mein Tempo laufen. Einer meint, das wir schon am ersten Kilometer vorbei sein müssten. Mist, Recht hat er. Wir sind bestimmt schon über 100m drüber. Meine Stoppuhr zeigt dennoch deutlich unter 5 Minuten an. Kann nicht besser laufen. Die Markierung für Kilometer 2 ist genauso unscheinbar. Das Feld ist schon weit auseinander gezogen. Die Stecke ist super flach. So beim dritten Kilometer gibt es was zu trinken. Ein Becher für den Rücken und einen gegen den Durst. Im Schatten sind es bestimmt 27°C aber Schatten gibt es hier nicht. Wir laufen durch den Grüngürtel von Frankfurt. Durch parkähnliche Anlagen, an der Nidda entlang, an Feldern vorbei. Jetzt geht es bergauf nur 50m über die Autobahnbrücke und drüben wieder runter. Die Steigung nutze ich um wieder zwei Läufer zu überholen. Von hinten kommt ein weises Trikot aus Bad Soden. Ihn muss ich ziehen lassen. Neben der Markierung „4km“ am Boden steht ein Schild „noch 11km“, ob zum Hohn oder zur Motivation bleibt dem Betrachter überlassen. Sehen wir es positiv und laufen weiter. Von einem Feld kann man nicht sprechen. Wie eine lange Kette läuft jetzt jeder allein oder in kleinen Gruppen. Im Massenheim machen wir endlich in einer großen Schleife wieder auf den Rückweg.
Irgendwas klebt in meinem Mund. Es könnte, das was meine Zunge einst mal war, sein. Tempo ist super, aber wie lange noch, wenn ich nicht gleich Wasser bekommt.
Ein Steckenposten verkündet: „In 50 Meter Wasserstelle“
„Wird auch Zeit“ bekommt er von mir zu hören.
„Musst eben was mitnehmen“ ruft er noch nach.
Hätte es gern mit ihm ausdiskutiert, aber bleibt auf seinem Posten.
Denke noch: ‚Vielleicht könnte die Veranstalter auch mit einer weiteren Wasserstelle auf das Wetter reagieren, auch die Schwämme von Großen Buseck wären hier angebracht’
Bevor ich noch einen weiteren Gedanken verschwenden kann, kommt die Wasserstelle. Ein Becher übern Kopf und Rücken, einen für die Brust und einen für das Ding in meinem Mund.
Noch 8 Kilometer, verkündet das Schild.
‚15 minus 8?’
‚Warum ist es heute so warm?’
‚Noch mal. Bis 10 sind’s 2’
‚ahh, vor 100m war Kilometer 7’
‚Dann brauche ich noch? ......
‚Lassen wir das lieber’
Das Trikot kenne ich Der Bad Sodener läuft zwar schneller, aber wohl nicht sehr lange. Vielleicht hat er auch mein Trikot erkannt und hängt sich an meine Fesen. Er kann aber nicht lange mithalten.
Es gibt noch mal was zu trinken. Zwei Wasser für das Shirt und die Schorle für den Hals. Mein Tempo ist gleichbleibend hoch. Hatte nicht damit gerechnet aus dem Marathontrainig heraus so einen guten Lauf hinzubekommen. Ab der Verpflegungsstelle ist die Strecke für 10 und 15km zusammen gelegt. Der 10ner-Lauf ist zwanzig Minuten nach uns gestartet. Die 10ner-Läufer mit denen ich jetzt die Stecke teile sind deutlich langsamer. Das gibt noch mal Vorschub. Ziehe mich von einem zum anderen in Richtung Ziel.
Das Trikot und den Zopf kenne ich auch.
„Hallo Elke“
„Ah, doch ein Butzbacher“
„Ja, wenigstens einer“
Noch 2 Kiometer
Ich gebe noch mal alles.
Noch 1 Kilometer
Endspurt?
Nach 500 Meter kommt ein Berg! Nicht zu fassen. Wie in den Bergen windet sich ein Pfad den Berg hinauf.
Wo kommt jetzt der Hügel her?
Oben angekommen haben ich es auch schon fast geschafft. Die Stoppuhr zeigt nach dem Ziel 1:07:??. Genaues wird das Internet morgen bringen, aber ist auch egal. Es war ein super Lauf!