10. Concordia Arendsee Triathlon, 11. August 2007
Nach dem Sprung ins Wasser von dem Raddampfer „Queen Arendsee“ war die Welt wieder in Ordnung. Kurz zuvor stand ich mit fast 150 anderen Triathleten frierend im Nieselregen auf der „Queen Arendsee“ und ließ mich zu einem imaginären Punkt auf dem Arendsee bringen. Es war kalt, der Wind kräftig, der Himmel wolkenverhangen und die Sicht mäßig. Alles in allem kein Wetter, dass „normale“ Menschen dazu bewegen könnte, sich in den See zu stürzen. Am Ufer in eineinhalb Kilometer Entfernung wird uns ein kleiner gelber Ball gezeigt. Dort sollen wir hin: „Kein Problem, immer nur gerade aus“. Auf der Ausschreibung war noch ein Knick in der Strecke eingezeichnet gewesen. „Na ja, umso besser, dann sollte das ja zu schaffen sein“.
Einmal ins Wasser eingetaucht, entpuppte sich die Wassertemperatur dann aber als relativ angenehm und der Regen kann einem dann auch nichts mehr anhaben. Keine Zeit zum Einschwimmen, wir richteten uns zwischen Boot und Boje an einer imaginären Startlinie aus und schon ging es los. Das Gerangel hielt sich in Grenzen, die Startlinie war relativ breit. Nur dieser blöde gelbe Ball am Ufer war auf einmal weg! Einmal geschaut, zweimal geschaut, das Wasser ist durch den Wind bewegt und außerdem liegt ein Dunst auf der Oberfläche. Was vom Boot aus noch ganz klar aussah, entwickelte sich langsam zum Orientierungsproblem. Ich muss stoppen, einige Züge Brustschwimmen und den Kopf ganz weit aus dem Wasser recken. Da habe ich sie wieder im Visier, meine gelbe Kugel. Vor mir schwimmt eine große Gruppe nach rechts weg. Gibt es doch noch eine „Zwischenboje“, wie in der Ausschreibung aufgezeichnet? Hatte ich vorher bei der Besprechung doch was falsch verstanden? Aber links von mir halten viele auch direkt auf den gelben Ball am Ufer zu. Also lasse ich die Gruppe vor mir schwimmen, wohin sie will, visiere den gelben Ball an und versuche meinen Rhythmus zu finden. Nach knapp einer halben Stunde habe ich das Ufer erreicht und erklimme eine lange Treppe zur Wechselzone.
Schon früh hatten wir dieses Jahr Urlaub in der Altmark/Sachsen-Anhalt anvisiert. Als ich den Arendsee Triathlon entdeckte, hängten wir noch eine Woche dran und ich handelte mit meiner Familie aus, dass ich mein zweites Rad mit nehmen, eine Strecke mit dem Rad fahren und sie mich beim Triathlon begleiteten würden. So waren für mich dann auch drei Wochen „Pferdeurlaub“ in Ordnung.
Als ich mir im Vorfeld die Starterliste anschaute, tauchte auf einmal mit Andreas Werner ein zweiter Butzbacher, gemeldet für den RVW Gambach auf der Liste auf. Über den Lauftreff streckte ich meine Fühler aus und erhielt dann zwei Wochen vor dem Starttermin eine nette Mail von Andreas. Er outete sich als eingesessener „Altmarkler“, den es beruflich nach Butzbach verschlagen hat. Als Mitglied des ausrichtenden Vereins, der Triathlonfüchse Osterburg e.V., war er schon vor zehn Jahren aktiv dabei, als dieser Triathlon aus der Taufe gehoben wurde und freute sich natürlich, dass der Ruf „seines“ Heimat-Triathlons bis nach Butzbach gedrungen war. Wir tauschten Handynummern aus und verabredeten uns für den 11. August.
Als sich dann allerdings der Imker in Osterburg, der uns empfohlen wurde und bei dem wir unseren Honigvorrat auffüllten, sich als der Vater von Andreas entpuppte und Andreas und seine Freundin dort gerade zu Besuch verweilten, war die Überraschung allerseits doch groß.
Da ich mittlerweile nahezu ein halbes Jahr beschwerdefrei laufen konnte und mich auch sonst gut fühlte, hatte ich gerade vom Jedermann auf die olympische Distanz gemeldet. Mein erster Triathlon auf dieser Distanz, ich war schon etwas nervös, wie es denn laufen würde. Da Andreas auch auf der olympischen Strecke gemeldet hatte würden wir uns auf jeden Fall am Start wieder sehen. So blitzschnell wie Andreas ist, wäre das auch sicher meine einzige Chance, ihn im Laufe des Rennens zu Gesicht zu bekommen.
Nach dem Schwimmen in der Wechselzone angekommen, verlief der Wechsel zum Rad dann unspektakulär. Nur die vielen Wasserschüsseln an den Rädern irritierten mich etwas. Klebte der Sand am Arendsee besonders hartnäckig an den Füssen? Meine waren eigentlich wie immer, ich kam auch ohne die Wasserschüssel gut in meine Schuhe. Nur dass ich mir diesmal, wegen der längeren Strecke, Socken gegönnt hatte.
Das Radfahren lief gut an, ich fühlte mich gut. Relativ schnell fuhr ich auf den ersten Radfahrer auf. „Mach langsam, nicht gleich am Anfang überziehen“, sagte ich mir und blieb einen Moment dahinter. Dann siegte doch meine Ungeduld und ich fuhr vorbei. Damit hatte ich dann schnell den „Respekt“ vor der olympischen Distanz verloren und fuhr munter drauf los. Zeitweise kam ich in einen richtigen „Überholrausch“. In meiner subjektiven Wahrnehmung hab ich massenweise überholt und bin so gut wie nie selber überholt worden. Wie es dann passieren konnte, dass ich nach der Ergebnisliste beim Radfahren zwei Plätze aufs Schwimmen verloren habe, ist mir heute noch ein Rätsel…..!
Die Strecke bog dann bald nach Norden ab und führte über die ehemalige innerdeutsche Grenze topfeben ins Wendland. Hinter dem, für das Wendland so typischen Runddorf Prezelle war dann der Wendepunkt. Als auf der Rückfahrt, kurz vor der Einfahrt nach Prezelle ein Fahrer hinter mir laut „Kühe“ schrie, dachte ich zuerst, das diese Spezies, angesichts der vielen Weiden ja nichts so besonderes sei, bis ich dann auch bemerkte, dass just in diesem Moment ein Bauer den „Heimtrieb“ seiner Kuhherde durch das Dorf begonnen hatte. Weil das natürlich etwas störte und drum rum alle möglichen Leute etwas hektisch wurden, zeigten auch die Kühe was sie drauf haben und jagten im Galopp durch das Dorf. Unsere Straßenseite war dann aber relativ schnell frei, so dass wir ohne große Verzögerung passieren konnten.
Nach einer Stunde und dreizehn Minuten kam ich dann wieder in der Wechselzone an. Knapp 33 km/h im Schnitt. Nach dem, was ich unterwegs von meinem Tacho mitbekommen hatte, hätte es eigentlich noch mehr seien müssen, war aber auf jeden Fall besser als geplant und ich war schwer zufrieden.
Der Laufkurs ging dann einmal rund um den Arendsee auf einem wunderschönen Uferweg. Vor dem Laufen hatte ich den meisten Respekt. Es ist weit über ein Jahr her, dass ich 10 km auf Zeit gelaufen bin und konnte nicht so richtig einschätzen, was mich erwartete. Von den Jedermann-Triathlons weiß ich, dass die ersten ein bis zwei km die Hölle sind. Ich hab es deshalb ruhig angehen lassen. Ca. 55 Minuten hatte ich mir vorgenommen. Überraschenderweise hat es kaum einen halben km gedauert, bis das Laufen leicht ging und ich den Kurs richtig hab genießen können. Offensichtlich haben die langen Läufe auf den Sandwegen der Altmark neben den Pferden meiner Töchter in den letzten drei Wochen doch ihre Wirkung hinterlassen. Erst als 2 km vor dem Ziel dann doch noch mehr Läufer an mir vorbei liefen, zog ich auch noch mal an und war dann doch sehr froh, als ich nach einer Laufzeit von 53 Minuten das Ziel erreichte. 2 Stunden und 45 plus/minus 5 Minuten hatte ich vorab als Zielmarge ausgegeben. Dass ich letztlich als 82. mit 2:38:40, ohne dass ich mich wirklich hab quälen müssen, erreicht hab, war für mich ein großer Erfolg.
Andreas war zu dieser Zeit allerdings schon so lange im Ziel, dass er mental sich sicherlich schon bei seiner nächsten Wettkampfplanung war. In einer sensationell tollen Zeit von 2:14:45 war er als Gesamtzwölfter! ins Ziel gelaufen.
Alles in allem bietet der Concordia Arendsee Triathlon eine gut organisierte, super Veranstaltung in einer ansprechenden Gegend, die durch den Start vom Raddampfer sicher ein besonderes Highlight bietet. Neben Topleistungen vermittelt diese Veranstaltung noch viel vom Geist der Anfänge des Triathlons: „Jeder ist auf seine Art ein Sieger“, ein Zug, der mir diese Veranstaltung besonders sympathisch gemacht hat.
Nur für die Veranstaltung ist die Anfahrt von Butzbach sicher etwas weit, aber mit einem Kurzurlaub in der Altmark oder den Elbauen lässt sich dort sicher so einiges verbinden….
Weitere Informationen unter www.triathlonfuechse-osterburg.de
Ingo Therburg
13. August 2007